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Saul A. Kripke

Wittgenstein über Regeln und Privatsprache


Kapitel II: Das Wittgensteinsche Paradox

 

  • §201 Wittgenstein: „Unser Paradox war dies: eine Regel könnte keine Handlungsweise bestimmen, da jede Handlungsweise mit dem Regel in Übereinstimmung zu bringen sei.“
    Kripke: seine Darlegung des Paradoxes; neue form des philosophischen skeptizismus.
  • Beispiel 1: das wort „plus“ und das symbol „+“. Umstand für „erfassen“ der regel „addition“: ich selbst habe bisher zwar nur endlich viele additionen ausgeführt, doch die regel legt meine antworten in bezug auf beliebig viele neue rechenaufgaben fest, an die ich noch nie gedacht habe. Witz: meine bisherigen intentionen hinsichtlich der addition legen für beliebig viele neue fälle in der zukunft eine eindeutige lösung fest.
  • „68+57“
  • Die lösung „125“ ist richtig arithmetisch und im metasprachlichen Sinne, dass „plus“ gemäss  der  bisher von mir beabsichtigten Verwendungsweise dieses wortes eine funktion bezeichnet,  die bei der anwendung die von mir „68“ und „57“ genannten zahlen den wert 125 ergibt.
  • Skeptiker:vielleicht hätte das ergebnis, das ich für „68+57“ beabsichtigte, entsprechend meiner bisherigen verwendungsweise des begriffs „plus“ eher „5“ lauten sollen!
    x“+“y = x+ y, wenn x,y < 57
    x“+“y = 5 in allen anderen fällen.
    wer kann denn bestimmen, dass dies nicht die funktion ist, die ich früher mit „+“ gemeint habe?
  • Skeptiker: du hast deinen eigenen fruheren sprachgebrach falsch interpretiert. + = quus
  • Common-sense-hypothese: mit „+“ meine ich wirklich die addition. Dann wäre es möglich, dass ich unter der einwirkung momentaner euphorie alle meine bisherigen verwendungen des plus-zeichens als symbolisierungen der quus-funktion missverstehe  und sodann – in widerspruch zu meinen bisherigen sprachlichen intentionen – 5 aus 68 plus 57 errechne.
  • Skeptikers hypothese ist grotesk, wenn ernst gemeint. Aber, wenn sie falsch ist, muss es eine tatsache hinsichtlich meines bisherigen sprachgebrauchs geben, auf die man sich berufen kann, um die hypothese zu widerlegen.
  • Kripke: berechnung von „68+57“ ist keinen ungerechfertigten sprung ins ungewisse  - ich folge anweisungen, die ich mir zuvor selbst erteilt habe und die eindeutig festlegen, dass ich in diesem neuen fall „125“ sagen sollte… ich kann nicht behaupten, dass ich schlicht „dasselbe tun soll, was ich immer getan habe“, sofern darunter zu verstehen ist: „Rechne gemäss der regel, die aus den früheren beispielen hervorgeht.“ Diese regel hätte ebensogut die  regel der quaddition (die quus-funktion) sein können wie die regel der addition. Durch die vorstellung, die quaddition sei tatsächlich das gemeinte und bei einem plötzlichen anfall hätte ich meinen bisherigen sprachgebrach geändert, wird das problem anschaulich gedacht.
  • 2 gestalt der skeptikers herausforderung:
    • Ob es eine tatsache des nicht-quus-sondern-plus-gemeint-habens gibt;
    • Ob ich irgendeinen grund habe, so sicher zu sein, dass ich jetzt nicht „5“, sondern „125“ antworten sollte.

Erwiderung auf den skeptiker muss zweibedingungen erfüllen:

  • Muss sie darlegen, was das für eine tatsache (in bezug auf meinen geistigen zustand) ist, die für mein nicht-quus-sondern-plus-meinen konstitutiv ist.
  • Aus einer solchen tatsache muss irgendwie hervorgehen. Wodurch ich berechtigt bin, bei der aufgabe „68 + 57“ die lösung „125“ zu nennen.
  • Grundregeln der formulierung des problems; voraussetzung: der skeptiker einstweilen bezweifelt nicht meine gegenwärtige verwendung des wortes „plus“. Er bezweifelt lediglich, dass mein jetziger sprachgebrauch mit meinem bisherigen sprachgebrauch übereinstimmt, dass ich mich gegenwärtig meinem früheren sprachlichen intentionen entsprechend verhalte… „woher weiss ich, dass „68 plus 57“ – so wie ich „plus“ bisher gemeint habe – 125 bezeichnen muss?“ Wenn das wort „plus“ entsprechend meiner bisherigen

 

 

 
  Last updated: 13.04.2008 13:57-> © Elizabeta Petakovic 2005-2008